Die SZENE Hamburg schreibt:

St. Georg

Das Dorf

Deutsche Hausmannskost - ab jetzt mit Fenster

"Man sieht es nicht, aber alles ist komplett neu!", versichert der Kellner dem eleganten Damenquartett, das gerade noch im Schauspielhaus sah, wie Romeo Julia anhimmelte, und sich nun ungläubig in Hamburgs gemütlichster Kellerstube umsieht. Dabei ist eine Veränderung wirklich kaum zu übersehen: Die neuen Betreiber Axel Strehlitz und Sebastian Weskamp haben es tatsächlich gewagt, ein Fenster einzubauen. Nun läuft man nicht mehr so leicht an dem Kultladen vorbei und auch innen ist die vorherige leichte Grabkammernatmosphäre einem lichteren Eindruck gewichen. Serviert werden deutsche Regionalgerichte - und zwar quer durch die Republik von Labskaus über Halven Hahn bis zu Obatzdem. Eine kernige Rinderroulade, ein köstliches Himmel und Erde und die selbst gemachten Maultaschen schmecken durchaus (Küche: Timo Dahlmeier und Weskamp), dazu gibt's einen erfrischenden Wintersalat mit Gurke und Apfel oder auch Maronencrèmesüppchen. Auch wer sich auf ein großes Stück Fleisch freut, ist an der richtigen Adresse. Doch deutsche Küchenkunst hin oder her, man muss das Konzept vielleicht nicht zwangsweise auch auf die Getränke ausdehnen. Heißt: Deutsche Hausmannskost: Ja! Deutsche Weißweine: Okay. Deutscher Rotwein: Nicht unbedingt. Eine offene Rotweinauswahl bestehend aus Spätburgunder, Zweigelt und Trollinger: Warum? Da greifen wir doch beherzt zum Lübzer Pils und freuen uns darauf, dass der frühere Geheimtipp, der immer geheimer und immer weniger Tipp geworden war, nun wieder so schön glänzt! FO